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Interview1

"Offen für den Moment sein!"Lieber Herr Rettenmayr, ich habe Sie kennengelernt, als Sie in der Hauskapelle des Stahl´schen Stiftes in Fliesteden Kunstobjekte ausgestellt haben. Insbesondere ein Kunstlichtobjekt mit dem Titel "Meist sind es die Wunden, durch die das Licht eindringt" hat mich fasziniert und es hat ja mittlerweile einen festen Platz in der Kirche in Glessen gefunden. Wie finden Sie das? Sie haben Ihre Kunstwerke ja nicht für eine Kirche geschaffen.Entstanden ist das Werk in der Auseinandersetzung mit eigenen schmerzlichen Erlebnissen. Es gibt Momente im Leben, in denen es scheinbar keinen Ausweg gibt und gleichzeitig die Erfahrung: Wenn ich es schaffe, das zu akzeptieren, dann kehrt Friede ein und ein Weg tut sich auf. Genau dieser Erfahrung habe ich versucht, mit dem Objekt und dem dazugehörigen Titel einen Ausdruck zu geben. Diese Transformation des Schmerzes entspricht für mich einem Wesenszug des Christentums. Deshalb könnte ich mir keinen besseren Platz für das Objekt vorstellen als in einer Kirche.Wenn ich mir Ihre Kunstwerke anschaue und auch die Texte wahrnehme, die Sie dazu geschrieben haben (Anm.: Verweis auf die Homepage) dann habe ich den Eindruck: Sie existieren als Künstler auf einen Grenze oder Sie versuchen eine Gratwanderung oder Sie bewegen sich zwischen Polen. Können Sie was mit diesem Eindruck anfangen?Mein Menschsein findet statt in der Spannung zwischen der Welt der äußeren Wahrnehmung und der inneren Welt der Gefühle, Ahnungen und Eingebungen. Und das Wissen um eine größere, immaterielle Realität ist wesentlicher Bestandteil dessen, was Religion ausmacht. Religion ist für mich der Versuch, beide Welten zu verbinden. Deshalb verstehe ich mich als spirituellen Künstler und die Kunstobjekte sind Ausdruck dessen, daß für einen Moment diese Gratwanderung zwischen den beiden Welten gelingt.Wie entstehen Ihre Kunstwerke? Wie kommen Sie zu Ihren Kunstobjekten?Sie kommen zu mir. Sie fallen mir ein oder sie fallen mir zu. Wichtig ist aufmerksam und offen für diesen Moment zu sein, in dem das passiert.Und wie geht das, dafür offen zu sein?Punkt eins ist: Das weiß ich nicht. Es passiert mir und ist ein Wunder. Punkt zwei ist: Hilfreich ist ganz sicher, Gefühle, Vorstellungen und Bilder, die in mir aufsteigen, nicht zu beurteilen. Nichts ist zu klein oder zu hässlich oder zu banal, um Bedeutung zu haben. Ich versuche nicht zu bewerten, was in mir ist. Punkt drei ist: Diese inneren Bilder müssen zusammenkommen mit Materialien und Fundstücken, die sich dafür eignen, ,ihnen Ausdruck zu geben. Andererseits gibt es auch immer wieder Fundstücke wie zu Beispiel eine Wurzel, in denen sich etwas für mich zeigt. In diesem Prozeß des Zustandekommens eines Objektes gibt es für mich beide Richtungen. Insgesamt findet ein Dreiergespräch statt zwischen mir und dem inneren Bild und dem Werkstoff. In diesem Trialog liegt für mich die Möglichkeit inneren Wachstums.Ich nehme das auf, was Sie zuletzt zu Gespräch gesagt haben. Kunst hat für mich nicht die Aufgabe das zu wiederholen, was in den Kirchen sowieso schon geschieht. Wenn das ihre Aufgabe wäre, bräuchte man sie gar nicht. Die Kunst steht für mich der Kirche als Dialogpartner gegenüber und ist genau so anregend.Ich wünsche mir noch viele anregende Begegnungen mit Ihnen und Ihrer Kunst. Vielen Dankl, Herr Rettenmayr, für dieses Gespräch.

Lichtobjekte und Bilder

Klaus Rettenmayr

"Sonstiges"

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Im Dezember 2008 besuchte mich Pfarrer Thorsten Schmitt von der evangelischen Kirchengemeinde in Glessen. Wir hatten ein Interview vereinbart zum Thema "Kunst und Kirche", was das Motto für den nächsten Gemeindebrief war. Aus der angekündigten Stunde wurden fast vier, das Interview war mehr zu einer Lebensbeichte geworden. Wir haben sie dann gemeinsam wieder zurückgestutzt auf "Interview-Format":

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