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Seelenhaus 1b

Ich wende mich um auf der Suche nach dem Badezimmer, kann es jedoch zuerst nicht finden. Als ich angestrengter hinschaue, sehe ich die Dachschräge auf der anderen Seite der Treppe. Man sieht die rohen Balken und die Dachziegel, es ist sehr herunter gekommen. Hier könnten gut die schadhaften Stellen im Dach sein. Irgendwo steht ein verzinkter Blecheimer, auf einem Balken liegt ein Stück Seife. Ich bin etwas entsetzt, das hatte ich nicht erwartet.Ich brauche ein Bad, um mich von den Anstrengungen der Reise zu erholen und den Staub von Arbeit und Straße abzuwaschen. Also bestelle ich beim himmlischen Sofort-Liefer-Service eine Badewanne. Sie wird auch sofort geliefert und muß aus Platzgründen erst einmal zwischen Dachschräge, Wand und Schlafzimmer irgendwie hineingezwängt werden. Hier muß dringend umgebaut werden!Ich lasse Wasser einlaufen und ziehe mich aus, die alten Kleider vernichte ich. In der Wanne liegend finde ich 2 Flaschen mit grüner und blauer Essenz auf dem Rand stehen. Ich gieße von ihnen ins Wasser, das mich daraufhin nicht nur von außen, sondern durch und durch erfrischt, reinigt und tief entspannt.Als ich die Wanne wunderbar gestärkt wieder verlasse, liegt neue Kleidung für mich bereit: Sandalen, Hose und Hemd aus hellem Leinen, weit und bequem geschnitten. Ich ziehe mich an und gehe wieder hinunter, durch das Wohnzimmer hindurch und betrete durch die Glastüre neben dem großen Tisch die Terrasse. Ein Weg führt außen zum hinteren Teil des Hauses, wo mein Arbeitszimmer liegen muß. Ich treffe auf einen Vorsprung, hier ist so etwas wie eine Scheune halb in das Haus hinein, halb als Anbau daran gebaut worden. Ich gehe mit etwas banger Erwartung näher, dies ist wichtig, ich kam her um mein Arbeitszimmer zu erkunden! Die großen Türen stehen offen, wirken schadhaft und verfallen. Trotz offener Türen und einem Dach, durch dessen Ritzen auch Licht einfallen müsste, ist kaum etwas zu erkennen. Schemenhaft sehe ich einen alten Traktor, eher einer Ruine gleich, im Eingang stehen. Ich zwänge mich an ihm vorbei und erahne an der rückwärtigen Wand mehrere Werkbänke und auch etwas Werkzeug. Links von mir zeigt sich schemenhaft ein weiterer Raum, groß und leer. Könnte dies alles das Atelier sein oder werden, das ich so sehr hoffte zu finden?Ich bin verwirrt und enttäuscht.Ich erhalte den Rat, mir ein Zeitfahrzeug mit Fahrer zu rufen, vielleicht hält die Zukunft mehr Klarheit für mich bereit?Das Zeitfahrzeug ist so etwas wie ein Kabinenroller: Ich sitze rittlings, bin aber vollkommen eingeschlossen. Vom Fahrer, auch von der Fahrt selbst bemerke ich nichts. Als ich im Jahr 2015 am Arbeitszimmer aussteige, hat sich die Szene radikal verändert: Ich befinde mich in einer riesigen Art Bahnhofshalle, viele Menschen eilen von allen Seiten hindurch. In der Mitte, abgeteilt durch einen kleinen Zaun aus geschmiedetem oder gegossenem Eisen, befindet sich ein wunderschöner blühender Garten. Offensichtlich ein Platz der Stille, des Friedens und der Schönheit. Sogar ein Teich mit Seerosen findet sich dort.Obwohl kein Mensch diesen Garten aufsucht, auch nur zu bemerken scheint, bin ich bezaubert und gerührt.„Vielleicht ein Paradiesgarten?“ wird später der Kommentar meines freundlichen Führers lauten.Nachdem das Zeitfahrzeug mich ohne weitere Erkenntnisse zurück gebracht hat, gehe ich zurück zu Terrasse, von dort weiter außen am Haus entlang bis zu Vorplatz. Ich stelle die Frage, wer von meiner Arbeit in diesem so sonderbaren Arbeitszimmer profitieren wird, und wie viele (ich hoffe immer noch dass es ein Atelier ist oder wird). Ich höre die Zahl 50 und sehe/spüre um mich herum immaterielle Wesenheiten. Pflanzen- oder Erdgeister? Ich weiß es nicht. Als letztes Bild, auf die Frage wie dieser Profit aussehen wird, ist alles um mich herum voller Blüten.Eigentlich bin ich fertig für jetzt. Ich habe mehr Fragen als Antworten, bin verwirrt, sogar verunsichert. Gleichzeitig aber fühle ich mich reich beschenkt, gewärmt, glücklich.

Lichtobjekte und Bilder

Klaus Rettenmayr

"Erster Besuch"

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